Donnerstag, 16. April 2009

Verändere mich ein kleines bisschen

Menschen mit einem großen Herzen haben mich schon immer beeindruckt und inspiriert. Leute, die einfach jeden an- und ernst nehmen und die niemanden runtermachen müssen um sich besser zu fühlen, die aber trotzdem eine eigene Meinung haben und diese auch vertreten. Leute die brutal ehrlich sind und trotzdem jeden respektieren. So habe ich mir immer Jesus vorgestellt und so will ich auch sein. Das ist schon superlang mein Gebet gewesen. Das Problem ist nur, dass ich die ganze Zeit auf eine Erfahrung warte, die mich in einem Augenblick verwandelt. Diese Erfahrung muss schnell und gründlich (und emotional) sein, und am besten vollkommen übernatürlich, so dass ich im Moment danach ein gänzlich anderer Mensch bin. Es muss so sein wie bei Paulus, spektakulär. Er wird vom Pferd gerissen, hört die Stimme aus dem Himmel und sieht das Licht. Er ist nie wieder der selbe.
Tja, so sitz ich also hier und warte, und die Erfahrung ist immer noch nicht in Sicht. Manchmal mache ich ja auch spirituelle Erfahrungen (hat bei mir meistens was mit Musik oder Natur oder Beziehungen zu tun), und ich denke "Das ist es!", aber am nächsten Tag, wenn die Euphorie abklingt, bin ich dann nur wenig bis gar nicht verändert.
Doch da kommt mir auf einmal ein neuer Gedanke, ein neues Gebet: "Jesus, verändere mich ein kleines bisschen! Ich will nur ein bisschen offenherziger heute werden, vieleicht kann ich ein kleines bisschen netter zu meiner Familie sein. Und wenn das klappt dann ist das schon Grund zum feiern." Wow, von diesem Gebet bin ich richtig geflasht.
Wenn ich so zurückdenke, dann hat sich bei mir schon so einiges getan, aber die großen Veränderungen sind meist nur die Summe von vielen Kleinen. Und überhaupt, jeden Tag ein kleines bisschen weiter zu kommen und das zu feiern ist doch viel schöner als jede Woche ein neuer Mensch zu sein (und auch nicht so verwirrend für meine Mitmenschen). Paulus hatte ja auch nach seiner Jesusbegegnung erst mal 14 (oder waren es 16) Jahre Wüste, in denen er und Jesus gemeinsam an seinem Charakter gearbeitet haben. Aber weil diese Jahre nicht in allen Einzelheiten in der Bibel beschrieben sind (Wäre wahrscheinlich sehr langweilig, und das Buch ist eh schon dick genug) bekommt man den (falschen) Eindruck, dass sein Leben nur aus Extremerfahrungen bestand.
Jeden Tag das Herz ein kleines bisschen weiten und sich darüber freuen, das klingt doch nach einem zufriedenen Leben.

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